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4Feb '13

Von Schulranzenfeten und ranzigen Fetten

Alle Jahre wieder…naht die Einschulung.
Na gut – „naht“ ist ein wenig übertrieben, denn richtig ernst wird es erst Anfang August. Aber wenn man Ende August bereits Weihnachtsstollen und Mitte Januar schon Ostereier verkaufen kann, dann geht das mit den Schulranzen zum jetzigen Zeitpunkt schon in Ordnung.

Zu diesem Zweck hat sich die Firma Heinrich Hünicke etwas Feines ausgedacht: Eine Schulranzenfete!

Bei dem Wort „Fete“ wurden bei mir Erinnerungen an schummrige Partykeller und allerlei Ersterfahrungen wach: Das erste Bier, der Engtanz mit dem ersten richtigen Kuss, das erste Mal so richtig zuviel Alkohol und daraufhin das erste Mal…aber lassen wir das.

Schon der Zeitpunkt – Samstag, 26.01.13, 10 – 16 Uhr ließ allerdings erahnen, dass es sich nicht um eine Fete im herkömmlichen Sinne handeln konnte. Und richtig: Es war eine Verkaufsveranstaltung. Aber was für eine! Kinderschminkstation, Waffeln, Würstchen, Spiele und jede Menge Mitarbeiter von Hünicke – deutlich erkennbar an den einheitlich roten T-Shirts. Und natürlich Schulranzen, wahre Massen an bunten Tornistern, deren Preise bei mir allerdings eine temporäre Schockstarre verursachten; ein Glück, dass ich hier nur als Beobachter gekommen war!

Wohlweislich ob der zu erwartenden und dann auch einfallenden Heerscharen von Kaufinteressenten fand das Ereignis in der geräumigen Ausstellungshalle des Volkswagenzentrums in der Berliner Allee statt. Und darüber hinaus bot diese Wahl die Möglichkeit köstlichster Synergien, welche mein Marketer-Herz höher schlagen ließen: Wo man nun schon mal hier war und die Kinder so schön beschäftigt waren, konnte man (…und vor allen Dingen Mann…) doch gleich einmal das ein oder andere Produkt aus dem reichhaltigen VW-Programm begutachten. Und wenn der „Haben-wollen-Trieb“ gar zu drängend wurde, dann fragte man einfach einen der…der…ähhhh…wo waren eigentlich die Autoverkäufer?

Nach längerem Suchen fand man sie – und zwar alle auf einmal, einträchtig beim Würstchenessen in einem Büro zusammensitzend…

Nun ist gegen soziale Zusammenkünfte an sich nichts einzuwenden, nur der Zeitpunkt schien mir ungeschickt gewählt. Zapperlot – da wird ja das Fett in der Pfanne ranzig (…haha – jetzt hab´ ich den Bogen zur Überschrift gepackt…)! Wenn sich draußen die Zielgruppe um die Autos drängelt, dann macht man so etwas einfach nicht – oder zumindest nicht alle auf einmal. Auch nach zielgruppenspezifischen, zeitlich eng begrenzten Sonderangeboten ausgesuchter Familienkutschen suchte man vergeblich.  Und um 13:00 Uhr war Schluss. Nicht mit der Schulranzenfete; die ging ja bis 16:00 Uhr und war bis dahin sehr gut besucht. Aber die Autoverkäufer gingen. Allesamt. Schlag 13:00 Uhr alle weg. Unglaublich!

Man sollte meinen, dass eine schmerzlich durchstandene Insolvenz den Sinn des Verkaufspersonals fürs Marketing geschärft hätte. Mitnichten! Stattdessen Ignoranz, Arroganz und/oder Dummheit. Kopfschüttelnd, den Blick noch einmal auf im wahrsten Sinne des Wortes ratlose Autointeressenten werfend, verließ der Autor die Veranstaltung, welche für die Firma Hünicke übrigens ein voller Erfolg war.

Und was lernen wir daraus:
Der Diffusionsprozess neuer Marketing-Erkenntnisse, von der Theorie in die Praxis, verläuft nicht überall im gleichen Tempo. Während in einigen Branchen schon am Feinschliff der strategischen Ausrichtung und der exakten Justierung der operativen Maßnahmen gearbeitet wird, haben andere Wirtschaftsbereiche noch mit der Umsetzung von Basiswissen zu kämpfen. „Gepampert“ durch die massive multimediale Präsenz der Automobilkonzerne halten es die (…oder zumindest einige…) Autohändler anscheinend nicht für nötig, ein eigenes Profil und zeitgemäße Verkaufskonzepte zu entwickeln.

Diese werden sie aber in Zukunft dringend brauchen, denn nach Büchern, Tonträgern, Unterhaltungselektronik, Schuhen und Textilien etc. wird auch der Neuwagenmarkt bald voll im Fokus des Online-Handels stehen.

Es grüßt Sie herzlich
Ihr Olaf Schmidt-Stohn

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