
Wie sehen Ihre Upfront Costs aus? – Entschuldigung: Wer?
…oder wie sehr die falsche Sprache Geld kosten kann!
Ich besuche in regelmäßigen Abständen Vorträge und Konferenzen – Horizonterweiterung, wie man so schön sagt. Nicht selten gehöre ich dabei jedoch nicht zur Hauptzielgruppe: Vielmehr werden dann Online-Shop-Betreiber bzw. Seitenbetreiber und die, die es jeweils werden wollen, direkt angesprochen. Ich kann also – ohne Eigenlob los werden zu wollen – behaupten, dass ich mit etwas mehr Wissen vor Ort sitze oder besser gesagt: Alle anderen haben weniger Wissen.
Das ist aber auch OK so, denn darum geht es ja letztendlich auch: „Ich“ gehe zu einem Vortrag, um mit mehr Wissen als vorher nach Hause zurückzukehren. Und dabei nach Möglichkeit nicht mit der Erkenntnis, dass ich die Themen vor Ort einfach nicht verstanden habe – oder auf gut Deutsch: Zu dumm dafür bin.
Nun vermute ich aber, dass genau dieser Eindruck bei dem einen oder anderen Besucher in regelmäßigen Abständen auftauchen wird. Er oder sie wird zwar artig sitzen bleiben, aufmerksam zuhören und sich nicht die Blöße geben, nachzufragen, jedoch mit dem Ergebnis nach Hause kommen, dass nichts verstanden worden ist.
Und warum? Ich sage nur „Cloud Computing“, „Up-front costs“ und „Saas“. Sagt Ihnen das etwas? Nun, vielleicht – kommt darauf an, wie Sie auf diesen Blog aufmerksam geworden sind, warum Sie die Artikel hier lesen und welchen „Background“ Sie haben. Vielleicht aber auch nicht, wenn Sie zu den „normalen“ Seiten- und Shop-Betreibern gehören, die in der Regel Deutsch sprechen und sich dafür auch nicht schämen.
Was wir daraus für unser Marketing lernen können:
Wir sind somit bei den Themen Anglizismen, allgemeines Verständnis von Vorträgen, Berücksichtigung von Zielgruppen und die Wahl des richtigen Vortragsredners. Kurz um, und auch das habe ich live miterlebt: Wir sprechen von der möglichen Vollkatastrophe eines ungeeigneten Redners, mit schlecht gemachten Folien, der in „falscher Sprache“ präsentiert und das dann auch noch zielstrebig an dem Interesse der Zielgruppe vorbei.
Für mich eine völlig unverständliche Praktik, die nicht nur die 30-45 Minuten Vortrag elendig lange hinzieht und Anwesende mitunter langweilt, sondern unter dem Strich auch bares Geld kosten kann. Denn, wer kauft die Katze im Sack? Wer wird sich in die Hände von Unternehmen begeben, die nicht sagen können, was sie wie machen werden? Wer will mit jemandem zusammen arbeiten wollen, den man nicht versteht? Also: Wer wird Aufträge bekommen, dessen Angebot ganz einfach nicht verstanden wird? Und das Schlimmste: Dadurch, dass ich ggf. etwas mehr verstehe, erkenne ich Potenzial, sehe ich Möglichkeiten für das Unternehmen, Geld zu verdienen – und vermute auf anderer Seite, dass viele andere das nicht tun werden…
Sicherlich, das Anglizismen-Karussell kann gut und gern auch mal dazu hergenommen werden, um seinen sonstigen Top-Qualitäten noch mehr Würze zu geben. „Up-front costs“ klingen doch auch viel genialer und mächtiger als die banale, deutsche Übersetzung „Vorlaufkosten“ (www.dict.cc/?s=up+front+costs). Vielleicht werden diese Fremdwörter aber auch nur hergenommen, um die sonstigen, weniger ausreichenden Fähigkeiten des Redners oder des Anbieters zu übertönen?
Egal wie, mich persönlich nervt das. Es gibt Tage, an denen ich einschlägige Fachliteratur nicht lesen kann, weil mir diese hochtrabende Selbstbeweihräucherung der Autoren einfach gegen den Strich geht. Und, wenn es mir – der ja eigentlich irgendwie zu diesem ganzen „Consulting-Clan“ gehört – schon so geht, wie geht es dann denen, die dieser Fachsprache so nun gar nicht mächtig sind? Müssen die sich in dieser Sekunde nicht denken, dass alle Beteiligten in eine geschlossene Anstalt gehören? Sicherlich: Auch hier gibt es die Ausnahmen von der Regel und eine Zielgruppe, die sich tatsächlich davon beeindrucken lässt und auch gern beeindruckt werden möchte – ob dann aber auf Nachfrage bei dem Redner im zweiten Anlauf und bei Projektanfrage mehr und vor allem das Richtige rauskommt, wage ich nicht selten zu bezweifeln.
Nun mag die „andere Seite der Macht“ sagen, dass nur die, die dieser Sprache mächtig sind und diese möglichst an jeder Ecke verwenden, diejenigen sind, die die wahre Ahnung haben. Die Profis also. Weiß ich nicht – mag so sein – glaube ich aber nicht. Ganz im Gegenteil: Ich mache persönlich immer aufs Neue die Erfahrung, dass erst eine verständliche Sprache von Kompetenz zeugt. Eine Sprache, die mit steigendem Wissensstand des Zuhörers durchaus den einen oder anderen Fachbegriff verträgt. Erzählt von jemandem, der beobachtet und erkennt, wenn es dann doch ein Wort zu viel gewesen ist und dieses erklärt.
Ich bin selbst nun seit fast 14 Jahren am Markt, wie es so schön heißt – zumindest per heute. Ich habe mit hochintelligenten Ärzten und mit ebenso cleveren Personen aus kleinen, mittleren und großen Unternehmen zusammengearbeitet. Rückwirkend betrachtet, gaben und geben mir die meisten das Gefühl, dass sie selbst verstanden und darüber hinaus verständlich beraten werden wollen. Und das auch gern ohne Anglizismen, die nicht nötig sind.
Diese Erkenntnis schlägt sich seit neuestem auch ganz explizit in unserer eigenen Webseite unter www.online-werbung.de nieder: Wir wollen verständlich beraten. Eine Floskel, die sicherlich auch schon mal an anderer Stelle gelesen wurde – wir wollen das aber wirklich und ich hoffe, dass dieses Ziel auch erreicht wurde oder wir zumindest auf dem richtigen Weg sind. Gern höre ich dazu Ihre Meinung.
Ach ja, einen interessanten Link habe ich noch für Sie: www.deutschthemen.de. Auf dieser Seite berichtet der „Chief Technical Officer“ („Technik-Chef“ klingt ja nicht so wirklich spannend
) unseres Online-Shop-Partners epages jeden Freitag über Fundstücke der Woche aus dem Bereich Deutsch, Nicht-ganz-Deutsch oder Gar-nicht-Deutsch. Es lohnt sich, einen Blick zu werfen – ich freue mich jeden Freitag über eine Mail mit den aktuellsten Einträgen…
Es grüßt Sie herzlich
und mag die deutsche Sprache
Ihr Nico Erhardt
E-Mail: N.Erhardt@online-werbung.de
Tel: +49 (451) 280 80-16





