
Wer denkt sich solche Verpackungen aus?
Ich bin ein Fan des klassisch deutschen Abendbrotes: Wurst, Käse, Schinken, Butter, diverse Salate und ein Laib kräftigen Schwarzbrotes.
Bei der zweiten dicken Brotscheibe angelangt, greife ich zu einer Packung Lachsschinken, die ich tags zuvor bei einem Discounter erworben hatte. Schnell die Packung gedreht und gewendet – wo ist der Nippel – aha – da ist er ja. Er ist sogar groß genug, damit ich ihn mit meinen nicht gerade filigranen Greifwerkzeugen packen kann.
Während ich unter nicht unerheblichem Kraftaufwand ziehe, denke ich mir: „Was machen jetzt eigentlich weniger trainierte Menschen?“ Das Wiederschließbarkeitsversprechen des Herstellers löst sich bereits nach wenigen Zentimetern Ablösearbeit in Wohlgefallen auf: Die Abdeckfolie reißt in der Mitte ein. Macht aber nichts – ich hätte die Folie sowieso ganz entfernen müssen, denn…raten Sie mal…ja genau: Der Schinken liegt mal wieder verkehrt herum in der Packung! Getreu dem Lifo-System (Last in, first out) hätte der Öffnungsnippel auf der Seite der zuletzt in die Packung gelangten Scheibe sein müssen… hätte…
Nun verstehe ich natürlich, dass man sich als aufstrebender Verpackungsdesigner-Yuppy, der seine Mahlzeiten sowieso nur in angesagten Szenelokalen zu sich nicht nimmt, nicht mit solch banalen Problemen herumschlagen mag. Oder man könnte dies als geniale Initiierung von cross-selling interpretieren, da ich ja nun eine Frischhaltebox benötige, damit sich mein Schinken nicht bald vor Trockenheit krümmt.
Aber andererseits: Warum soll ich mittels argumentativer Klimmzüge herstellerische Fehlleistungen kaschieren?
Und die Moral von der Geschicht´:
Ein wenig Nachdenken macht oft schon den Unterschied zwischen gutem und schlechtem Marketing.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr Olaf Schmidt-Stohn
1 Kommentar
Martin Kudritzki sagt:
Hallo, Olaf,
da sprichst du mir aus der Seele. Bei so mancher Verpackung gehe ich davon aus, dass gerade etwas ältere Menschen diese gar nicht mehr ohne fremde Hilfe öffnen können. Vielleicht ein sozialpolitischer Ansatz zur natürlichen Auslese nach Darwin? Oder eher eine Hommage an lang vergessen geglaubte Instinkte: Nach dem Jagen möchte man das Erlebnis des “habe Beute erlegt” vermitteln. Egal wie: Richtig rund sind viele Verpackungen leider nicht.





